Dr. Jeannot Muller

Die Befürchtungen aus dem Artikel "Kinder genauso ansteckend, wie jede andere Altersgruppe" scheinen sich leider zu bestätigen.

Eine neue Studie aus Chicago kommt zum Schluss, dass Kinder unter 5 Jahren mit vergleichsweise milden COVID-19-Symptome eine (sehr!) hohe virale RNA-Last im Rachen- und Nasenraum haben und somit die Infektion durchaus genau so wie Erwachsene verbreiten können:

"Age-Related Differences in Nasopharyngeal Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) Levels in Patients With Mild to Moderate Coronavirus Disease 2019 (COVID-19)"

Es war zu erwarten, alleine mit gesundem Menschenstand und den Erkenntnissen von anderen viralen Erkrankungen die primär über den Nasen- und Rachenraum erfolgen. Zum Ende der Urlaubszeit in den ersten Bundesländern, kann man der Politik nur raten, die Situation in den KiTas genau zu beobachten.

Masken sind bei kleinen Kindern keine Option. Ggf. bleibt also nur  die Option die KiTas wieder zu schliessen. Das ist nicht populär, aber man sollte die Augen nicht vor der Realität verschliessen.

Karl Lauterbach fasst die Erkenntnisse wie folgt zusammen:

1) Die Studienlage zur Ansteckung von/durch Kinder SARS-CoV-2 wird immer klarer. Die neue methodisch hochwertige Studie aus Chicago bestätigt, dass Schulkinder wahrscheinlich so ansteckend wie Erwachsene sind. Neu aber ist SEHR hohe Viruslast bei Kita-Kindern.
2) Kita-Kinder wurden bisher selten genau untersucht. Sie galten als ungefährlich. Die Studie widerlegt das leider SEHR klar. Die Viruslast ist hier sogar viel höher als bei Erwachsenen. Wenn sich das bestätigt werden wir in den nächsten Wochen zahlreiche Kita-Ausbrüche sehen.
3) Die Studie bestätigt im übrigen auch ganz klar die sogenannte „Drosten-Studie“ bei Kindern, die von der @BILD lange diffamiert wurde. Eigentlich wäre jetzt eine Entschuldigung der Kritiker bei @c_drosten angemessen!

Update 3.8.2020:

Es gibt derzeit KEINEN Grund davon auszugehen, dass SARS-CoV-2 negative Auswirkungen auf Kleinkinder hat, ABER: es gehört zur Natur von Langzeitschäden, dass man erst nach einer gewissen Zeit schlauer ist und im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 und den Langzeitauswirkung sind wir noch strohdumm.

Wieviele Eltern werden empört sein, sollte sich herausstellen, dass Kleinkinder zwar keine bis nur sehr geringe COVID-19 Symptome entwickeln, aber vielleicht doch Langzeitschäden? Kompliziert, oder? Und genau dafür gibt es die Wissenschaft. Und Erkenntnisse müssen diskutiert werden, sonst brauchen wir einfach gar nichts zu machen, ist ja eh nur eine Grippe ... :-(.

Und solange wir keine wirksamen Mitteln zur Therapie bzw. Bekämpfung haben, muss es erlaubt bleiben alles zu diskutieren, auch wenn die Folgen z.B. für Eltern wieder unbequem oder von mir aus fatal wären.

Insbesondere weil der Notbetrieb von Kitas für die Gesellschaft notwendig bleibt, kann man nicht vorsichtig genug sein. Wenn das Personal zum großen Teil und auf einen Anschlag erkrankt, dann wird ein Notbetrieb nicht nur schwierig, sondern im schlimmsten Fall unmöglich und es ist niemandem geholfen. Und wenn Kinder möglicherweise ein signifikanter Vektor sind und man diesen ignorieren würde, dann wäre das eben auch grob fahrlässig.